Konstruktive Kritik geben – mit positiver Sprache


Unangenehme Wahrheiten oder Wie sag‘ ich es? – Konstruktive Kritik geben mit positiver Sprache

Was empfinden Sie, wenn Sie den folgenden Satz lesen und auf sich selbst beziehen?
„So können Sie das aber sicher nicht machen.“
Und was empfinden Sie, wenn Sie diesen Satz lesen?
„Welche Idee fällt Ihnen ein, es besser zu machen?“

Sprache ist ein überaus mächtiges Werkzeug. Ob wir mündlich oder schriftlich kommunizieren, die Art und Weise, wie wir uns ausdrücken beeinflusst, ob eine Nachricht positiv oder negativ aufgenommen wird. Auch wenn Sie unangenehme Nachrichten vermitteln, können die Auswirkungen Ihrer Botschaft durch den Gebrauch von positiver und konstruktiver Sprache drastisch verbessert werden.

In diesem Artikel gehen wir auf die Suche nach Möglichkeiten, wie Sie in einer positiven Weise kommunizieren, die eher Kooperation hervorruft statt Gegenargumente oder Konfrontation. Ob Sie mit Klienten, Kunden, Ihren Mitarbeitern oder Familienmitgliedern kommunizieren: Sie können eine positive Sprache verwenden, um ein hilfreiches, positives Bild zu projizieren, anstelle eines destruktiven, negativen Bildes.

Negative & Positive Sprache

Negative Phrasierung und Sprache haben oft die folgenden Eigenschaften:

  • Sagt dem Empfänger, was nicht möglich ist oder nicht funktioniert.
  • Hat einen subtilen Ton der Schuld.
  • Enthält Worte wie „kann nicht“, „werden nicht“, „nicht in der Lage“, „unmöglich“, die dem Empfänger sagen, was der Sender der Nachricht nicht tun kann.
  • Nennt keine positiven Maßnahmen, die angemessen wären und keine positive Konsequenzen.

Positive Phrasierungen und Sprache haben folgende Eigenschaften:

  • Sagt dem Empfänger, was getan werden kann oder möglich ist.
  • Schlägt Alternativen und Entscheidungen vor, die dem Empfänger zur Verfügung stehen.
  • Klingt hilfsbereit und ermutigend, nicht bürokratisch.
  • Betont positive Maßnahmen und positive Konsequenzen, die man erwarten kann.

Konstruktive Kritik

Findet die Beurteilung einer Sache oder Verhaltensweise durch eine Person statt, kann diese in Form von Lob oder Kritik geäußert werden. Kritik muss dabei nicht zwangsläufig negativ sein, wenn Sie konstruktiv formuliert wird.
Konstruktive Kritik zeigt auf:

  • was gut war – lobt also – und
  • was weniger gut war, und
  • zeigt Vorschläge zur Verbesserung auf.

Konstruktive Kritik ist immer höflich und respektvoll, bringt Wohlwollen und Anerkennung zum Ausdruck, ist auf den Punkt formuliert und nicht unnötig ausschweifend und um eine optimale Lösung bemüht.

 

Negative Sprache

Wenn Sie eine positiveren Kommunikation entwickeln wollen, ist die erste Aufgabe, die übliche negative Phrasierung zu identifizieren und zu eliminieren. Die folgenden Beispiele negativer Formulierungen beinhalten alle eine Form der Abwertung, kommen häufig vor und sollten vermieden werden.

1. Ausdrücke, die Unachtsamkeit nahelegen:

A) Sie haben es vernachlässigt
B) Du hast es versäumt… Sie haben versagt…
C) Sie hat übersehen
D) Du hast nicht… Du hast vergessen…

2. Sätze, die darauf hindeuten, dass die Person lügt:

A) Sie behaupten, dass…
B) Du sagst, dass… Du meinst also, dass… Das sagst du.
C) Sie gibt an, dass …

3. Ausdrücke, die darauf deuten, dass der Empfänger nicht besonders intelligent ist:

A) Wir können nicht sehen, wie du…
B) Wir verstehen nicht…
C) Ich versuche verzweifelt zu verstehen…

4. Fordernde Phrasen, die Zwang / Druck bedeuten:

A) Sie sollten…
B) Sie müssen…
C) Wir müssen Sie bitten…
D) Ich muss darauf bestehen…
E) Ich gebe Dir den guten Rat… Ich rate Ihnen…

5. Phrasen, die sarkastisch oder herablassend klingen:

A) Kein Zweifel…
B) Wir danken Ihnen für…
C) Du verstehst natürlich, dass…
D) Antworten Sie bitte umgehend…
E) Haben Sie das verstanden?

 

Positive Sprache

Wenn Sie negative Phrasen eliminieren, müssen Sie diese durch positive Formulierungen ersetzen, um die gleichen Informationen zu vermitteln. Hier sind einige Beispiele für positive Phrasierungen und konstruktive Kritik.

1) Statt: Sie haben vergessen… Daher können wir nicht…
Besser: Wenn Sie uns [was auch immer] schicken, können wir [was auch immer] für Sie abschließen.

2) Statt: Es ist gar nicht gut, dass Sie…
Besser: Mir ist aufgefallen, dass Sie…. An dieser Stelle fände ich es besser, wenn wir…

3) Statt: Das sehe ich ganz anders.
Besser: Ich merke, dass Sie einen anderen Standpunkt zu diesem Thema haben. Lassen Sie mich Ihnen meine Perspektive erklären.

4) Statt: So geht das nicht.
Besser: Ich möchte Dir vorschlagen, dass [Vorschlag].

5) Statt: Das haben wir noch nie so gemacht.
Besser: Meine Ergebnisse zeigen, dass [was auch immer] nicht möglich ist. Was halten Sie davon, wenn wir stattdessen…

6) Statt: Da haben Sie jetzt wirklich ein Problem.
Besser: Eine Möglichkeit für Sie ist [Option].

7) Statt: Es geht nicht anders, daher müssen wir es [was auch immer] folgendermaßen machen…
Besser: Mit [was auch immer] bin ich nicht einverstanden. Ich habe mir dazu Gedanken gemacht und möchte gern vorschlagen, dass wir…

8) Statt: Und was möchten Sie jetzt von uns?
Besser: Wir können Ihnen helfen bei [was auch immer], wenn Sie uns [was auch immer] zukommen lassen.

 

Übungen

1) Sammeln Sie weitere Beispiele negativer Sprache und Formulierungen in Zeitungsartikeln, Journalen oder im Internet und erstellen Sie eine Liste, die Sie immer weiter ergänzen können. Seien Sie aufmerksam auf subtile Aspekte, die bürokratische oder erniedrigende Botschaften senden.

2) Finden Sie positive Umformulierungen für alle negativen Aussagen.

3) Suchen Sie ein paar Ihrer Notizen heraus, die Sie selbst geschrieben haben. Gehen Sie jedes Wort und jede Phrase durch und heben Sie Sätze hervor, die einen negativen Ton haben. Seien Sie auch hier aufmerksam auf subtile Aspekte Ihrer Notizen, die bürokratische oder erniedrigende Botschaften senden. Dann schreiben Sie Ihre Notizen mit positiven Formulierungen um.

4) Gehen Sie Ihre bereits überarbeiteten Notizen noch einmal durch und ergänzen Sie – wo möglich – Ihre positiven Formulierungen mit Vorschlägen zur Verbesserung.

Schlussfolgerung

Negative Sprache und Kritik vermittelt ein schlechtes Bild für andere Menschen. Manchmal verursacht sie Konflikte und Konfrontation, wo dies nicht notwendig oder erwünscht ist. Die erste Stelle, um mit der positiven Sprache und konstruktiven Kritik zu beginnen, sind schriftliche Botschaften. Sobald Sie den Kniff des Schreibens gut entwickelt haben, wird es einfacher sein, Ihre gesprochene Sprache zu ändern, um Ihre Inhalte in einem positiven und konstruktiven Ton zu präsentieren.

 

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